Quixada Brasilien 16

Als Andreas Schnider und ich uns im Frühling entschieden nach Quixada zu reisen, wussten wir noch nicht was uns erwartet. Wir hatten viel gehört und auch einige Videos gesehen. Wir wussten es wird keine Erholung, sondern harte Arbeit. Somit planten wir unseren zweiwöchigen Tripp aufzuteilen. Die erste Woche der Küste nachfahren und das Meer geniessen und dann in der zweiten Woche nach Quixada reisen und dort einen neuen persönlichen Rekord erfliegen. 10 Std. fliegen heisst, es braucht eine sehr gute Vorbereitung. Das Material muss passen, die Ernährung muss stimmen, man muss sich orientieren können, und und und.. . Ich bekam meinen neuen Flügel, den Zeno, erst kurz vor Abreise. Um wirklich gut vorbereitet zu sein, flogen wir noch 2 Tage im Wallis. Bei stabiler Wetterlage gelang uns noch ein Dreieck von 60 km. Unsere Flügel waren nun heiss auf weite(re) Flüge.

So flogen wir am Sonntag-Mittag mit der TAP über Lissabon nach Fortaleza welches wir nachts um 11 Uhr erreichten. Nach einer Nacht im Hotel nahe beim Flughafen fuhren wir mit unserem (sehr kleinen) Mietauto der Küste nach Richtung Süden. Ziel Canoa Quebrada, ein Touristischer Ort mit Sanddünen soweit das Auge reicht. Da es dort immer viel Wind hat wird die Region genützt, um mit unzähligen Windrädern Strom zu produzieren. Das beste Fortbewegungsmittel dort ist ein Buggy oder ein Quat. Mit diesen Fahrzeugen kann man die ganze Küste und die Sanddünen abfahren. So mieteten wir an einem Morgen einen Quat. Leider brauchte es einen Guide der voraus fährt. Da wir zeitig einen Quat gemietet hatten als noch keine Touristen da waren, konnten wir nur zu zweit mit einem Führer die Sanddünen erkunden. Ich denke, nicht nur wir hatten Spass über die endlosen Sandflächen zu fahren und über die Dünen zu springen. Es gab da auch wunderschöne Oasen mit Süsswasser. Oder z.B. einen kleinen Erlebnispark, in welchem man an einem Seil hängend von bis zu 30 m über Grund in einen Tümpel springen konnte. Dann sind wir noch 2 Nachmittage Kiten gegangen. Paolo, ein Flieger und Kiter, den wir in Canoa Quebrada kennen gelernt hatten, konnte zum Glück ein wenig Deutsch. Mit ihm fuhren wir mit einem Buggy 10 km dem Strand entlang zu einer einsamen Lagune. Dort war das Wasser nicht tief und man konnte eigentlich überall stehen. Nach wenigen Übungen durften wir bereits die ersten Fahrversuche machen. Es war mega, aber auch mega anstrengend. Zum Schluss konnten wir hin und her fahren, zum Teil schneller als es einem lieb war. Schön war natürlich auch das über 25 ° Grad warme Wasser und der starke Wind, der die Hitze sehr erträglich machte. Einmal führte uns unsere Reise noch weiter in den Süden an einen der unzähligen schönen Sandstrände und zum Schluss der ersten Woche zu einem Kiter-Strand nördlich von Fortaleza.

Gut eingelebt fuhren wir am Freitagmittag nach Quixada zur Gruppe vom Team von Fly with Andy. Eine Gruppe von etwa 20 Piloten und vielen Helfern empfing uns herzlich. Noch am Abend gab es ein Briefing über die Organisation, das Gebiet, die Wetter- und Windbedingungen. Da dachten wir noch: kein Problem, voll Easy. Aufgestanden wurde um 4.30, dann um 5.30 Abfahrt und so um 6.00 Uhr erreichten wir den Starplatz. Und da wurde uns klar, dies wird kein Spaziergang. Der Wind pfiff einem mit Böenspitzen von 50 km/h so richtig um die Ohren und Sand flog einem ins Gesicht Zurecht hat der Startplatz den Namen: «die Rampe des Wahnsinns». Es gibt 3 Starthelfer die den Schirm ausbreiten und halten. Dann gibt es einen Windbeobachter der dir den Start mit ready? go!!! frei gibt. Hast du die Freigabe, hast du etwa 3 Sek. Zeit in die Luft zu kommen und weitere 3 Sek. um in den Beschleuniger zu stehen. Schaffst du dies nicht, droht es dir, dass es dich hinter den Starplatz bläst. Dies passiert in dieser Zeit fast Täglich. Sobald du aber die ersten 100m Höhe gemacht hast wird das Fliegen völlig Easy.

Das Ganze läuft dann so ab: Früh starten bevor die ersten starken Ablösungen kommen, dann vor dem Startplatz soaren bis die Basis genug hoch ist um mit Rückenwind los zu brettern. Da aber am Morgen die Basis nur so um 1000m Meter ist kommt schon bald das nächste Problem. Ja nicht absaufen um in diesem Wind landen zu müssen. Es ist eine völlig neue Art zu fliegen. Mit viel Versatz aufdrehen und so mit 70 km/h die nächst mögliche Thermikquelle anfliegen bei der auch eine Landemöglichkeit besteht. Und dies ist die grosse Schwierigkeit. Es gibt schon Abreisspunkte für die Thermik und Landemöglichkeiten, aber diese sind aus der Luft schwer zu beurteilen und bei dieser Geschwindigkeit sind sie auch schnell vorbei. Von Vorteil ist natürlich eine Strasse oder einen Hof anzufliegen. Muss man nämlich landen, droht einem einen Fussmarsch bei 37° im Schatten. Landet man bei einem Hof weit weg von der Hauptstrasse, hat man die Möglichkeit zu fragen, ob sie einem mit dem Motorrad zur nächsten Hauptstrasse oder Stadt fahren. Obwohl die Gegend sehr arm ist, haben viele ein Motorrad und es ist für sie eine Ehre, wenn sie einen Flieger fahren können. Man bezahlt dann etwa 1 Real pro Minute. Für uns ist dies wenig, aber für sie ist dies ein grosse Betrag. Bei diesen vielen Aufgaben bleibt einem wenig Zeit, die Aussicht und das Land zu geniessen.

Für mich war jeder Flug ein grosses Erlebnis. Nach dem Start, der einem alles abverlangt kann man sich etwa 1 Std. oder noch länger beim Soaren erholen. Es ist von Vorteil nicht als Erster abzufliegen. So kann man noch ein wenig schauen wo es gehen könnte. Es geht aber sehr schnell und man ist ganz alleine unterwegs. Es ist oft so, dass jemand in der Nähe aufdreht und du daneben mit 4 m/sec sinkst bis du am Boden stehst. Somit musst du deine eigene Linie wählen und jeder nur kleine Heber mitnehmen. Das Ganze Unterfangen wird im Laufe des Tages immer ein bisschen einfacher, da die Basis steigt und man somit mehr Höhe zur Verfügung hat. Je länger der Tag dauert, je wichtiger wird es sich an den Strassen zu orientieren. Es wird dort nämlich ziemlich schnell dunkel. Nicht nur das Landen kann zum Problem werden, sondern auch das zurückkommen. Auch wenn es nur wenige Kilometer zur Strasse sind. Dies ist am Andi und mir bei unseren 300 km Flügen ein bisschen zum Verhängnis für einen noch weiteren Flug geworden. Nach etwa 250 km drehte der Wind immer mehr auf Nord, somit musste man immer ein bisschen Vorhaltewinkel fliegen. Zum Schluss führt die einzige Strasse Richtung Nordwesten und man hatte fast Gegenwind. Für uns war aber immer klar: lieber ein paar Kilometer weniger weit fliegen, als zur später Stunde im Schnittlauch zu stehen. Um dann zu Fuss, stundenlang die Strasse zu suchen. Handy empfang hat man nämlich keinen und es ist sehr schwer sich zu orientieren oder sich bemerkbar zu machen. Es hat da nämlich nichts.

Ist man einmal in der Nähe von Häusern gelandet, dauert es in der Regel nicht lange und es stehen eine Menge Leute um dich, die sehr Hilfsbereit sind. Ich denke man könnte von ihnen alles haben. Die Rückholung von Fly with Andy ist extrem gut organisiert. Meist steht nur wenige Minuten nach Erreichen einer Strasse ein Rückholer da, der dich zum nächsten Treffpunkt oder direkt zurück zum Hotel bringt. Auch diese Fahrten sind ein spezielles Erlebnis. Es gibt da gute Strassen. Viele sind jedoch sehr schlecht unterhalten und es hat mega Schlaglöcher. Dann ist Slalom fahren angesagt. Trifft man ein solches Schlagloch, droht sehr schnell einen Platten. Dann hat es auch noch sehr viele Naturstrassen. Fliegt man also etwa 300 km, bedeutet dies etwa 5 Std. bis 6 Std. Rückfahrt. Das heisst, etwa um 1 Uhr im Bett und um 4.30 wieder raus. Auf keinen Fall möchtest du einen Flugtag verpassen.

Wir hatten eine sehr eindrückliche Zeit in Brasilien. Das Potenzial für weite Flüge ist enorm. Dies geht aber nur bei starkem Wind. Am letzten Tag wollten wir einen 400er. Alles lief super, bis sich bei km. 140 die Wolken auflösten und es plötzlich stabil wurde. Andi landete um 11. Uhr bei km 170, ich ein bisschen früher. Unglaublich wenn man bedenkt, dass man bereits vor 12. Uhr die 200km Grenze überschritten hätte. Und wir hatten ja an diesen Tagen nicht den wirklich starken Wind.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei Andy Flühler und seinem Team bedanken. Die Organisation und die Rückholung war perfekt organisiert.

Andreas und ich können kein Wort Portugiesisch und auch sonst keine Fremdsprachen. Die Verständigung mit den Brasilianern erfolgte mit Händen und Füssen. Unsere Erkenntnis: wenn man etwas braucht oder will, dann klappt dies auch ohne Worte.

Die Reise nach Quixada war eine tolle Sache. Ich ziehe in Betracht, dass ich im November / Dezember 2018, 2 Wochen mit einer kleinen Gruppe nach Brasilien reisen würde. Das Ziel ist aber nicht Quixada. Das Reiseziel liegt etwa 300 km Südlicher. Dort mit dem Team von Andy Flühler und seinen Abrollwinden in Etappen durch den Sertao fliegend reisen. Abenteuer und Expedition pur. Völlig flexibel und losgelöst von fixen Startplätzen durchquert man in mehreren Tagen den Nordosten von Brasilien, folgt den Wolkenstrassen, dem Wind und durchqueren dabei die Staaten Pernambuco, Piauí bis in den Maranhão. Dabei ist der Zielpunkt jeweils der nächste Ausgangspunkt. Wenn du die exzellenten XC Bedingungen nutzen willst, die nötige Portion Pionier- und Abenteuergeist besitzt und offen für Neues bist, dann kann es losgehen.

Da wir dort ab der Winde starten würden, hätte man den Startstress nicht und man kann sich viel mehr auf das Fliegen konzentrieren. Also melde dich bei Interesse.

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