Brasilien 2018

Zuerst ging es darum während den Ersten 6 Tagen in Caico den persönlichen Streckenrekord zu brechen. Dann sich am Meer während 4 Tagen zu erholen und zum Schluss auf der 9 tägigen Windentour ein kleiner Teil des Landes von Ost nach West zu durchqueren. Dazu haben wir uns sehr gut vorbereitet. Wir optimierten unsere Ausrüstungen und bekamen von Andi Schnider, der kurz vor uns in Caico war, wertvolle Tipps. So konnten wir uns von Anfang an auf das Fliegen konzentrieren.

 

Das Fliegen in Caico und auf der Tour ist für erfahrene Piloten grundsätzlich einfach. Das Starten an der Winde, mit zum Teil weit über 30 km/h Wind, war dank einer guten Cobrastarttechnik und einem eingespielten Windenteam für uns kein Problem. Das Fliegen in flachem oder hügeligem Gelände ist trotz viel Wind gut zu Meistern, sofern man genug hoch ist. Die wenigen bis 400m hohen Gebirgszügen oder 200m hohen Plateaus dürfen jedoch nicht unterschätzt werden. Der Wind wird dadurch abgelenkt und stark beschleunigen. Dies kann zum Problem werden, sobald man darauf oder kurz dahinter landen muss. Die grossflächige Thermik ist relativ einfach zu Fliegen. Einzig beim Landen kann es wegen dem zum Teil starken Wind zu Schwierigkeiten kommen. Muss man bei Wind und einer Ablösung landen, kann es ohne weiteres sein, dass der Wind turbulent mit über 40 km/h bläst und es schwierig ist den Schirm offen und gegen den Wind zu halten. Dabei fliegt man rückwärts. Die grösste Schwierigkeit ist jedoch, den Schirm sobald man am Boden ist, fluguntauglich zu machen. Ansonsten wird man fortgeschleift und muss hoffen, kein Kaktusfeld, Bäume, Stacheldraht oder andere Hindernisse zu treffen. (Bei einem Flug auf der Windentour lag meine Durchschnittsgeschwindigkeit für die 185 km, ohne wirklich schnell zu fliegen, bei knapp 50 Km/h. Dabei flog ich kurzzeitig über 100 km/h schnell.)

Die grösste Herausforderung im Flug war die richtige Linie zu finden damit man Anschluss zur nächsten Thermik fand und nicht schon frühzeitig landen musste. Denn war man einmal tief, musste man sich entscheiden. Soll man sich mit einem Nullschieber, sofern man einen findet, tief über unlandbares Gelände schieben lassen und hoffen, dass sich die Thermik irgendwann ablöst. Oder geht man frühzeitig einen guten Landeplatz anfliegen um dort sicher zu Landen. So war das Ziel einfach oben bleiben, nie tief zu sein und jeden Nullschieber auszudrehen. Dabei blieb zu hoffen, dass sich der Nullschieber zu einem Thermikschlauch entwickelt. Möchte man jedoch sehr weit fliegen, musste man mehr riskieren. Dazu gab es mehrere Möglichkeiten. Z.B. sehr früh starten, so um 6.15 Uhr, zwischen der Thermik immer beschleunigt fliegen, sich nicht mit einem Nullschieber zufriedengeben und den Rückenwind optimal nutzen. Dafür ist das Fliegen zu zweit oder in der Gruppe einfacher. Man kann so mehr Fläche absuchen und dabei schneller Thermik finden oder das Beste Steigen lokalisieren. Abschliessend kann ich sagen: Es braucht ein wenig (viel) Glück. Ist man nur ein paar Meter neben der Thermik steht man sehr schnell am Boden. Es gibt keine Möglichkeit irgendwo zu kratzen um sich in der Luft zu halten. Diese Erfahrung mussten wir alle mehr als einmal machen.

Am ersten Tag konnte ich schon über 300km weit fliegen. Dies war ein sensationeller Einstieg. Die Routenwahl war ein bisschen speziell. Ich bin über den Gebirgszug geflogen, den man eigentlich umfliegt. Dank wenig Wind hatte dies dann trotzdem gut funktioniert. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass nur eine kleine Erhebung den Wind sehr stark beschleunigen kann und dies kann zu unangenehmen Situationen führen. Mit diesen Erkenntnissen bin ich in den nächsten Tagen konsequent im Flachen geflogen. Da ich über 300 km geflogen war und wir noch jemanden im «Schnittlauch» abholen mussten, musste ich unterwegs übernachten. Im Schnitt braucht man für 50 geflogene Kilometer 1 Std. Autofahrt. So verpasste ich den nächsten Flugtag. In den folgenden 2 Tagen hatte es wenig Wind und viel Feuchtigkeit. So gab es keine Rekordflüge. Dann kam mein Tag. Aron Durogati startete sehr früh um 6.20 Uhr. (Er erreichte an diesem Tag mit seinem Flügelmann Primoz Susa 510km). Ich wollte Anfangs keinen Absaufer riskieren und startete deshalb einiges später um 6.55 Uhr. Mir lief es von Anfang an super. Schon nach wenigen Kilometer war ich alleine unterwegs. Für mich, denke ich, war dies kein Nachteil. Ich konnte mich so besser auf meinen Flugstiel konzentrieren. Ich umflog den Gebirgszug (als einziger) sehr südlich, nicht optimal mit dem Wind. Dafür hatte ich immer gute Thermik gefunden und konnte so schnell fliegen. Obwohl der Rückenwind keine 20 km/h stark war und ich nur halb beschleunigt flog, kam ich zügig vorwärts. Nur zwei Mal war ich tief und musste mich mit Geduld wieder hocharbeiten. Ich hatte immer bis zur Basis aufgedreht und ich versuchte immer das beste Steigen zu finden, welches mir an diesem Tag auch gut gelang. Schön war auch, dass ich sehr lange Funkkontakt mit Gübi und Flavio hatte. So war ich nicht ganz alleine, obwohl sie weit hinter mir lagen. Als dann wirklich die 400km auf dem Vario erschienen, war ich so etwas von glücklich. Ziel geschafft, also nur noch geniessen. Doch es kam ein bisschen anders. Vor mir lag ein grosser Windpark mit unzähligen Windrädern. Ich entschloss mich, dies möglichst zu umfliegen. Auch wollte ich unbedingt an einer Strasse und vor Sonnenuntergang landen. Also drehte ich nicht mehr auf und flog quer zum Wind an einen guten Landeplatz. Ja, vielleicht hätte es noch einige Kilometer mehr gegeben, aber dies war mir völlig egal. Ich konnte dann sauber an einer Strasse nach 10 Std 15 Min. landen. Dabei wurde ich von einigen einheimischen herzlich empfangen. Sie brachten mich dann auch in das nächste Dorf, in welchem ich keine 1.5 Std. auf meinen Rückholer warten musste. Es hat an diesem Tag einfach alles gepasst und ich habe mein Ziel über 400 km zu fliegen erreicht. Am Ende waren es 433 km.

Durch die perfekte Organisation von Fly with Andy, klappte auch die Rückreise problemlos. Nach 1 Std. Autofahrt übernachten wir in einem Hotel. Am nächsten Tag ging es dann 7.5 Std. zurück nach Caico. Weil es der letzte Tag war und unsere Reise gleichentags nach Pipa ans Meer führte, kamen nochmals 4 Std Autofahren dazu. Dazu muss ich noch sagen, in diesen Ferien bin ich etwa 80 Std. im Auto gesessen. Da wird einem wirklich bewusst, wie weit man geflogen war, oder wie gross das Land Brasilien ist.

Die 4 Tage am Meer in Pipa waren dann eine willkommene Erholung.

Danach folgte die Abenteuerreise 1100 km quer durch Setao.

Mit den Abrollwinden in Etappen wird quer durch Sertao geflogen. Abenteuer und Expedition pur. Völlig flexibel und losgelöst von fixen Startplätzen durchquert man in mehreren Tagen den Nordosten von Brasilien. Man folgt den Wolkenstrassen, dem Wind und durchquert dabei die Staaten Pernambuco, Piauí bis in den Maranhão. Dabei ist der Zielpunkt manchmal der nächste Ausgangspunkt.

Auch diese Reise war perfekt organisiert. Nicht die geflogenen Kilometer standen im Vordergrund, sondern den Pionier und Abenteuergeist neues zu erleben, sich im Flachland zu orientieren und immer weiter ins Landesinnere zu fliegen, wobei es immer grüner wurde.

Da gäbe es noch einiges zu erzählen…. .

Zum Schluss muss ich sagen: wir waren eine super Truppe. Jeder von uns ist sicher gestartet und gut geflogen. Das Team von Fly with Andy hatte sehr viel Freude an uns. Wir haben uns entschieden, Ende 2020, Anfang 2021 eine Reise mit Fly with Andy zu organisieren. Es soll eine Genuss- und Abenteuer-Reise sein, voraussichtlich ab der Winde. Da ist man völlig unabhängig. Dazu werde ich frühzeitig informieren, wann sie stattfindet und wohin die Reise führen wird.

Nochmals herzlichen Dank an alle.

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